Auszug aus der FAQ
von GETTOATTACK
2. Warum propagiert get to attack Antagonismus statt Dialog und Konsens?
In der gegenwärtigen, von der Rechten und ihrem Boulevard rassistisch
aufgeheizten Situation sollten nicht weiter Antagonismen produziert werden,
heißt
es vonseiten besorgter Liberaler. Vielmehr ginge es darum, den Dialog zu
suchen
und den Konsens wiederherzustellen. Weit in die Defensive gedrängt, appelliert
man also an Toleranz und Menschlichkeit und sucht Lösungen in der
»Integration«.
Toleranz aber ist keine Alternative zum gesellschaftlichen Ausschluss, sondern
eher dessen Fortsetzung mit anderen Mitteln. Sie bestätigt ein Machtgefälle,
in
dem tolerant gegenüber dem anderen nur sein kann, wer die Wahl hat zwischen
der Toleranz und der Intoleranz. Das Prinzip der Toleranz impliziert daher
ein
Prinzip der Diskriminierung, indem es ein hierarchisches Verhältnis zwischen
Subjekten und Objekten der Toleranz festschreibt und fortschreibt.
Naive Appelle an die »Menschlichkeit« wiederum entspringen einem ebenso
naiven Humanismus, der weder die »Menschlichkeit« von Ressentiments und
Aggression noch strukturell verankerte Diskriminierungen mitreflektiert.
Die
Forderung nach »Integration« schließlich geht von der Vorstellung einer
bestimmten Gruppe von Menschen aus, die eine andere Gruppe sich einzugliedern
hätte. Differenzialistischen Rassismen dient der Begriff der »Integration«
dementsprechend als Ruf nach kultureller Assimilation jener, die gleichzeitig
rechtlich und sozial diskriminiert werden.
Get to attack propagiert demgegenüber die politische und soziale Gleichstellung
aller. Eine Politik der Gleichstellung statt Gesten des Wohlwollens zu fordern
bedeutet notwendig, Antagonismen gegen staatlich legitimierte und
programmatische Rassismen zu erzeugen. Im Sinne einer Politisierung heißt
Antagonisierung aber vor allem, eine demokratische Konfliktkultur zu etablieren,
die nicht über Prinzipien des Ein- oder Ausschlusses erfolgt, sondern über
die
Konfrontation politischer Positionen. Eine Konfliktkultur, die insbesondere
die
Artikulation jener Subjekte, die dem Ausschluss unterliegen, zu gewährleisten
und
zu stärken hat, ohne sie auf identitätspolitische Repräsentationsrollen
festzuschreiben.