Johannes Kepler Universität Linz
Institut für Soziologie
Abteilung für Theoretische Soziologie und Sozialanalysen

Einladung zu einem Gastvortrag am Institut für Soziologie der Universität Linz

Vortragender: Prof. Alan Scott, Universität Innsbruck
Thema: Virtueller Protest
Ort: Raum UC 6 (Mensagebäude)
Zeit: Montag, 10. April 2000, 17.30 Uhr

Paper e-Protest von Alan Scott (Universität Innsbruck)
und John Street (UEA, Norwich) zum Download als .rtf

Zum Thema des Vortrages

Virtueller Protest

Das Internet ist für soziale Bewegungen und Protestgruppen ein mächtiges Werkzeug geworden, mit dem sie die Mobilisierungskosten senken können und mit relativ wenig Aufwand spektakuläre "Protest-Events" inszenieren. Der Vortrag zeigt diese Entwicklung am Beispiel des "Carnival Against Capital", einer Demonstration am 18. Juni 1999 in London, bei der zwischen 3000 und 10000 Leute durch die City marschiert sind. Bemerkenswert an diesem Ereignis war:

(i) die Tatsache, daß die herkömmlichen Arrangements und Planungsvereinbarung zwischen den Organisatoren und der Polizei nicht getroffen worden waren,
(ii) daß der Marsch mit ähnlichen Veranstaltungen weltweit koordiniert worden und so angesetzt war, daß er mit dem Gipfeltreffen der G8 in Köln zusammenfiel,
(iii) daß die Organisation fast ausschließlich per Internet durchgeführt worden war.

Die Gruppen, die üblicherweise an solchen Aktionen teilnehmen – Earth First!, Reclaim the Streets, London Greenpeace, June 18th Network – übernehmen einen ähnlichen "modus vivendi" und haben die Organisationsform gemeinsam. In diesem Zusammenhang können vor allem folgende Fragen diskutiert werden:
- Woher beziehen diese sozialen Bewegungen ihre "Aktionsrepertoires"?
- Inwiefern beeinflußen die neuen Möglichkeiten des Internet das Ausmaß und die Form des Protestes?
- Wie kann die demokratische Verantwortung innerhalb solcher Gruppen gewahrt bleiben, wenn die Möglichkeiten für politische Manipulation mit der neuen Technologie so schnell zunehmen?

Die soziale Bewegung der Regierungsgegner in Österreich kann als interessanter Kontrast zu dem Londoner Fallbeispiel betrachtet werden. Es hat den Anschein, daß diese Bewegung nicht daran interessiert ist, alle Möglichkeiten des Internet auszuschöpfen, sondern diese Technologie eher als eine Art "Anschlagtafel" benutzt.

Zur Person des Vortragenden:
Alan Scott ist seit September 1999 Professor für Soziologie an der Universität Innsbruck. Davor lehrte er an der University of East Anglia, Norwich, Großbritannien. Er ist Autor zahlreicher Artikel über politische Soziologie und Gesellschaftstheorie und von Ideology and the New Social Movements (Routledge, 1990), Herausgeber von The Limits of Globalization (Routledge, 1997) und hat gerade A Companion to Political Sociology (Blackwell, 2000) als Mitherausgeber und Beitragender fertiggestellt.