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Michaela Frech (LIF Steyr) im Vorfeld der Demonstration
von "Jetzt erst recht - Kein Pakt mit dem Rassismus" in Steyr
Mail vom Do. 03. Februar 2000
Es muss auch noch etwas dazwischen geben ...
Gerade in Krisenzeiten ist nicht schwarz-weiss sondern Differenzierung
nötig, auch wenn sie derzeit nicht gefragt ist!
Mit grosser Sorge habe ich die gestrigen Ereignisse im Zusammenhang mit der Angelobung der neuen Regierung verfolgt. Meine bereits am Donnerstag Mike Glück gegenüber telefonisch mitgeteilten Bedenken, dass Demos gegen Schwarz-Blau zum jetzigen Zeitpunkt zu einer weiteren Polarisierung der politischen Kräfte und auch der Menschen in diesem Land führen, haben sich für mich jedenfalls - am Freitag im Laufe des Tages leider in Wien auf sehr schreckliche Weise bewahrheitet. Freund-Feind-Bilder werden verstärkt - der verbalen Gewalt folgt die in die Tat umgesetzte - die "Linken" auf der einen Seite, die "Rechten" auf der anderen. Ein Vier-Parteien-Parlament wird sich nun wohl in zwei Blöcke spalten, rot-grün versus schwarz-blau und umgekehrt. Die Mitte vermisse ich. Diese Mitte, das LIF und fünfte Kraft, flog ja leider aus dem Parlament, weil es die WählerInnen so wollten. Ein Zeichen, dass Differenzierung in Österreich nicht wirklich gefragt ist. Es spitzt sich eben immer mehr zu in diesem Land und seinen Menschen. Wenn ich die letzten Jahre so betrachte, so hat letztlich alles, was die FPÖ und vor allem Jörg Haider bremsen sollte, seinen Aufstieg mitverursacht. Die gestrigen Ereignisse in Wien haben einmal mehr wohl erneut die FPÖ bzw. ihre Sympathisanten gestärkt, auch wenn die Motivation der meisten Demostranten eine völlig konträre war .Das Faustzitat "Macht mir den Teufel nur nicht klein, ein Mann, den alle hassen, der muss was sein" trifft wohl ganz gut die Entwicklung der letzten Jahre. Je mehr man die FPÖ bzw. ihren Obmann dämonisiert hat, desto größer wurde sein Erfolg. Es ist längst an der Zeit, diese Art der Politik und die Personen, die dafür stehen, zu "entzaubern". Ich bin nicht für schwarz-blau, ich bin aber auch nicht für rot-grün. Ich wünsche mir, dass in Österreich jene Kräfte - unabhängig von Parteieinzugehörigkeit - obsiegen, die sich für eine Weiterentwicklung unserer Demokratie einsetzen und die dazu beitragen, dass Populismus und Demagogie als das enttarnt werden, was sie sind. Ich glaube es ist höchst an der Zeit, Mittel und Wege zu suchen und auch zu finden, die politische Konstellationen, wie wir sie jetzt vorfinden, bereits im Vorfeld verhindern. Was mich als einfache Kommunalpolitikerin beschäftigt, ist vor allem, was kann ich gemeinsam mit anderen tun, um mehr Bürgerrechte, mehr Demokratie und mehr Differenzierung zu erreichen. Auf die Straße zu gehen, kann durchaus eines der Mittel sein. Ob es das geeignete ist zum jetztigen Zeitpunkt, in dieser erhitzten Situation und in der geplanten Art und Weise, wage ich zu bezweifeln. Nachzudenken und einen Weg zu finden, der dorthin führt, wo die Demokratie lebt und Österreich nicht in die Isolation geführt wird, das sollte unser gemeinsames Ziel sein. Ich habe mir lange den Kopf zerbrochen und die Für und Wider dieser konkreten Demo in Steyr abgewogen. Nach den gestrigen Ereignissen muss aber klar sein, dass der Weg zwar manchmal, aber eben nicht immer das Ziel ist.
mit lieben Grüßen
Michaela Frech
Fraktionsobfrau LIF Steyr
Anm.: Frau Frech hat auf der Demo zwar nicht gesprochen, war aber doch anwesend.
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