| Artikel aus der Volksstimme 2.3.2000 Widerstand Wörtlich Petra Hopfgartner (26) arbeitet beim freien Radio Fro in Linz. Wie erlebst du die Widerstandsbewegung gegen Schwarzblau, was unterscheidet sie deiner Meinung nach von früheren Bewegungen? Diese Widerstandsbewegung unterscheidet sich meiner Meinung nach von diversen anderen Bewegungen durch die Tasache, daß aufgrund der technischen Möglichkeiten (vgl. Schüssel: Internet_Generation") flexiblere Organisationsformen möglich geworden sind, was bei der Information bzw. Mobilmachung von Gleichgesinnten sicherlich sehr hilfreich ist. Es ist derzeit allerdings noch nicht absehbar, welche Ausmaße die Bewegung in nächster Zeit annehmen wird. Was tut sich diesbezüglich in Linz? In Linz begann alles mit der Initiative Alarmstufe blau", für die sich hauptsächlich KünstlerInnen verantwortlich zeichneten. Daraus entstand in weiterer Folge die Aktion Zivilcourage", eine Plattform von verschiedensten Organisationen, die auch zu einer für Linzer Verhältnisse größeren Demonstration am 12. Februar aufrief, zu der sich ca. 5.000 Personen in der Innenstadt einfanden. Fast ebenso groß war die Kundgebung am Tag zuvor vor dem Gebäude der Tageszeitung Oberösterreichiche Nachrichten", die von der Gewerkschaft aufgrund der Entlassung des kritischen Journalisten Gerhard Marschall organisiert wurde. Es gibt aber auch immer wieder kleinere Veranstaltungen, wie zum Beispiel musikalische Wandertage", mit ca. 100 bis 300 TeilnehmerInnen, an denen sich vorwiegend ausländische Initiativen, Privatpersonen und Autonome beteiligen. Zählt man die ExekutivbeamtInnen zu den DemonstrantInnen, so kommt man auf etwa 500 Menschen. Der nächste größere Protestmarsch ist für 17. März geplant. Du arbeitest beim freien Radio FRO in Linz inwieweit unterscheidet sich eure Berichterstattung von jener anderer Radiostationen? Oder: welche Bedeutung mißt du in der jetzigen Phase der Politisierung der Gesellschaft einem freien Radiosender bei? Aufgrund der warum auch immer sehr zurückhaltenden Berichterstattung des ORF und der Informationsträgheit von kommerziellen Privatradios in Oberösterreich, speziell in Bezug auf die derzeitige Situation des Widerstandes in Wien, sehen wir uns, wie schon anläßlich der NATO_Bombardierung Jugoslawiens, als freies Radio natürlich dafür verantwortlich, unseren HörerInnen interessante, aber kaum verbreitete Informationen zu vermitteln. Wir wollen auf diese Art unseren Beitrag zur Meinungsbildung leisten. Dazu kommt noch, daß bei Radio FRO 105,0 ungefähr 300 SendungsmacherInnen tätig sind, was eine Vielzahl an unterschiedlichen Standpunkten bedingt, die auch teilweise in das Programm einfließen und so eine Vielfalt erzeugen und zum Diskurs anregen. Welche Perspektiven hat deiner Meinung nach die Bewegung gegen Schwarzblau? Was sind die Ziele? Persönlich freut es mich zunächst schon sehr, daß offenbar viele Menschen in diesem Land aus einem Dornröschenschlaf wachgerüttelt worden sind und Interesse an politischem Denken geweckt wurde, wodurch auch eine nicht vorhersehbare Eigendynamik dieser Widerstandsbewegung in Gang gesetztwurde. Das erklärte Ziel der Bewegung sollte meiner Meinung nach neben der Absetzung der ÖVP/FPÖ Koalition sein, eine neue linke Bewegung zu entwickeln, in der sich moderne politische Organisationsstrukturen herauskristallisieren. Welchen Stellenwert hatte für dich dabei auch im Kontext der zahlreichen anderen Demos davor und danach die Großkundgebung am Heldenplatz vom19.2.? Die Demonstration am 19. Februar sehe ich als Zeichen dafür, daß sich die anständigen ÖsterreicherInnen" willkürliche Machtspielchen gewisser Politiker aber auch ein Klima der sozialen Kälte nicht mehr gefallen lassen. Diese Veranstaltung war ein wichtiges Ereignis und konnte auch durch populistische Miesmache a là Schüssel oder Westenthaler nichtabgewertet werden. |