Drei Kurzmeldungen zum Thema Staatsrassismus
aus: Tatblatt
+133 17.2.2000
Regierungsprogramm
Wie nicht anders zu erwarten war, will die schwarz-blaue Koalition ein Saisoniermodell
nach Schweizer Vorbild einführen. Menschen werden dabei völlig auf ihre
Funktion als Arbeitskräfte reduziert. Wenn nach dem Ende der Saison die
Arbeit erledigt ist, müssen sie das Land wieder verlassen. Derzeit ist es
so, dass Saisonarbeitsplätze häufig von Menschen angenommen werden, die
aufgrund der rassistischen Gesetzgebung keine Möglichkeit haben, in Österreich
ein reguläres Arbeitsverhältnis einzugehen: z.B. AsylwerberInnen oder Familienangehörige
von NichtösterreicherInnen. Wenn die Saisonarbeitsplätze nur mehr für nicht
im Land wohnende Menschen zur Verfügung gestellt werden und sich die rassistischen
Zugangsbeschränkungen zum Arbeitsmarkt nicht ändern, wovon ausgegangen werden
muss, wird es für die oben erwähnten Gruppen fast unmöglich, noch irgendeine
legale Arbeit zu bekommen. Da gleichzeitig viele AsylwerberInnen nicht in
Bundesbetreuung aufgenommen werden, bleibt ihnen fast nichts anderes übrig
als schwarz zu arbeiten oder kriminell zu werden, was wiederum dazu führt,
dass ihre ohnehin mageren Chancen, Asyl gewährt zu bekommen, noch weiter
sinken.
Weitere Punkte aus dem Regierungsprogramm: Kampf gegen "die Organisierte
Kriminalität, gegen Drogen und das Schlepperunwesen". Zu diesem Zweck werden
(die derzeitigen Provisorien) Lauschangriff und Rasterfahndung ins Dauerrecht
übernommen. "Maßnahmen gegen Scheinehen, Scheinadoptionen, Scheinstudien
und Scheintätigkeiten" sowie "Verbindliche Deutsch-Sprachkurse" sind vorgesehen,
die "eine sprachlich-soziokulturelle Integration, von Anfang an garantieren"
sollen. Der Anteil von Zuwanderkindern (anscheinend unabhängig von Sprachkenntnissen)
soll pro Schulklasse nicht höher als ein Drittel sein. Eine vorzeitige Verleihung
der StaatsbürgerInnenschaft, also vor der Zehnjahresfrist, lehnen beide
Parteien ab. Und dazu gibt's die SPÖ in Opposition mit Schlögl als Parteiobmann.
Gute Nacht.
Rassistische Polizei
Jener Polizeimajor, der bei einer Fortbildungsveranstaltung vor PolizeischülerInnen
gesagt haben soll: "Neger schlagen, dann erst fragen" (siehe TATblatt +124),
wurde vom Vorwurf der Verhetzung freigesprochen. "Die Sache sei zwar keinesfalls
politisch korrekt", heißt es von Seiten der Anklagebehörde, für eine Verhetzung
sei allerdings eine "generalisierende Äußerung" notwendig. Der Angeklagte
hätte sich mit seiner Äußerung auf eine bestimmte Person bezogen. Eine Disziplinarkommission
trat am 15. Februar zusammen. Ein Ergebnis ist noch nicht bekannt.
FPÖ-Rassismus
Der gerne als halbwegs seriöses Aushängeschild der FPÖ gehandelte Verteidigungsminister
Herbert Scheibner hat in einem Interview den Nationalrats-Wahlkampf der
Wiener FPÖ, von dem sich sogar Jörg Haider ein wenig distanziert, als Ansprechen
wesentlicher Probleme des Zusammenlebens in Wien bezeichnet. Er hat damit
"kein Problem".