22.2.2000
Offener Brief an das BMI betreffend Ausschreitungen
vom 19.2.00
An das Bundesministerium für Inneres
Offener Brief
Betreff: Ausschreitungen vom 19.2.00
S.g. Herr Minister Strasser!
Könnten Sie mich bitte über die, in der im Anhang folgenden, zitierten Vorgänge
vom 19.2.00 aus Sicht der Polizei/BMI aufklären.
Wer hat den Auftrag zu dieser Perlustrierung und mutmaßlichen Mißhandlung
von Demonstranten gegeben?
Entsprechen die beschriebenen Vorgänge legitimen Verhaftungsmethoden?
Aus welchem Grund sollten Polizisten Demonstranten in eine Hauseinfahrt
zerren wenn Sie auf jedem Kommissariat verhören bzw. wenn kein Verdacht
besteht wieder laufen könnten?
Welches Vergehen wird den angesprochenen Demonstranten vorgeworfen?
Sind die Beamten - aus Ihren jetzigen Wissenstand - zurecht derart vorgegangen?
Ist den, in diesem Brief angesprochenen Beamten bewußt, dasz auch Ausländer
in Österreich das Recht auf Versammlung und Demonstration haben?
Entspricht das zerstören von Mobiltelephonen und das ausziehen von Schuhen
der Praxis dieser Polizisten?
Wie sind "gewaltbereite Demonstranten" aus Sicht der Polizei definiert und
unter welchen Umständen dürfen die Polizisten Einschreiten?
Können Sie bzw Ihre Polizisten gewaltbereite Demonstranten durch äußeres
(Kleidung, Haartracht) erkennen? Wenn ja, an Hand welcher Kriterien gehen
Sie dabei vor?
Macht die Polizei bei der Behandlung von Passanten / Demonstranten je nach
Parteizugehörigkeit Unterschiede?
Unter welchen Umständen kann es notwendig sein einem Passanten oder einer
Demonstranten seine Schuhe abzunehmen?
Auf welchem Weg kann ein Passant von der Polizei beschädigtes und/oder entwendetes
Eigentum (Schuhe, Kleidung, Mobilfunkgeräte, Wert Karten) einfordern?
Haften Polizisten für von Ihnen grob fahrlässig bzw böswillig beschädigtes
Privateigentum ?
Welche Schritte haben Sie zur Untersuchung der Vorfälle (auch - und ganz
besonders) jene spät abends vor dem Burgtheater - eingeleitet?
mfG
Patrick Ch. Awart
Eine Kopie des Briefes ergeht an den Bundespräsidenten, als auch ausgewählte
Vertreter der Bundesregierung, als auch einige NGO's als auch Freunde und
Privatpersonen im In & Ausland.
Es würde mich freuen, eine ausführliche Stellungnahme an eben jenen
Personenkreis weiterzuleiten.