22.2.2000
Bericht vom Depot Plenum 21.2.00 19h
Gestern im Depot: Von Gewalt, ihren vielen
kleinen FreundInnen und einer
pazifistischen Sprengung...
Etwa 50-60 Menschen (von Organisierten bis Nicht-Organisierten) trafen
sich gestern, 21.2.2000 um 19 Uhr im Depot um weitere
Widerstandsperspektiven vorzustellen, zu diskutieren und vergangene Demos
zu reflektieren. Besonders die Demo am Samstag, 19.2.200, auf der es zu
massivem Übergriffen seitens der Polizei gekommen ist: Vier
DemonstrantInnen, die aus Deutschland auf die Demo gekommen waren, wurden
am Westbahnhof in einen Hauseingang gezerrt, verprügelt, beschimpft und
ihnen Schlußendlich alle Wertsachen und ihre Schuhe weggenommen mit der
Aufforderung sich ja nicht mehr auf der Demo blicken zu lassen. Ähnlich
brutal ging es nach der Heldenplatzkundgebung bei Razzien im 8. Bezirk zu.
PolizistInnen fuhren mit offenem Wagen durch den Bezirk, hielten
willkürlich Leute an, perlustrierten sie, nahmen Personalien auf,
verprügelten sie und ließen sie dann wieder gehen. Schon um 7 Uhr in der
Früh wurde das EKH umstellt und alle Ein- und Ausgehenden kontrolliert.
Im Anschluß an die Tatsachenberichte wurden die einzelnen Anwesenden
(Gruppen) aufgefordert ihre Ziele/Strategien und geplante Aktionen zu
präsentieren, daran sollte sich – im dritten Teil des Abends - eine
inhaltliche Diskussion entzünden. Diese Form der Organisation erwies sich
als hilfreich für das Abschätzen der vorhandenen Gemeinsamkeiten bzw.
Differenzen und ermöglichte eine erste Einschätzung des kämpferischen
Potentials. Durch die Präsentation unterschiedlichster
Widerstandskonzepte wurde auch die Teilnahme-bereitschaft einschätzbar und
der Pool an widerständigen Ideen verbreitert.
Wie immer sehr viele verschiedene Absichten und nur ein Nenner “wir wollen
diese Regierung nicht”: manche wollen das ganze System stürzen, andere
wollen nur die Regierung stürzen, andere schätzen ein, dass wir nicht
erfolgreich sein können, einige wollen eine Fortführung der Politik der
letzten Jahre, andere fordern parlamentarische Parallelstrukturen und so
weiter…
An Aktionen rausgekommen ist:
Donnerstagsdemos 19 Uhr Ballhausplatz
Fahrraddemos am Freitag 16 Uhr AAKH Hof 1, 18 Uhr Schwarzenbergplatz
“Zweirad gegen Doppelmoral”
Samstagdemos mit Musik 14 Uhr Burgtor
Do, 2. März: Antifaschistischer Karneval rund um die Oper
Sa, 22.April: UniAktionsTag gegen Vollrechtsfähigkeit und Studiengebühren,
Hauptuni
Bald wurde klar, um welchen heißen Brei die Diskussion zu kreisen begann.
Es schlichen sich - unbemerkt zuerst – das Wort Gewalt und seine vielen
kleinen Freunde (persönlich konnte ich “gewaltbereit” und seinen Kumpel
“gewaltfrei” erkennen) ganz einfach bei der offenen Hintertür
“Medienkritik” ein und dominierten von da an die Diskussion. Die Gemüter
erhitzten sich, zwischen “Gewalterfahrenen” (im doppelten Sinn) und
“besorgten BürgerInnen” wurden unvereinbare (?) Differenzen sichtbar,
Spaltungsbefürchtungen wurden laut und Positionierungen eingefordert.
Kurioser Höhepunkt war, als eine junge Pazifistin vorschlug, die
Mediaprint zu sprengen (Solidarität!)
Die unausgesprochene, offengebliebene Frage nach Bündnisbreite,
Radikalität von Kritik an einzelnen Positionen; und der Schwierigkeit des
Drahtseilaktes zwischen einerseits möglichst breitem Bündnis, aber
möglichst hohem politisch-analytischen Anspruch wird wohl noch spannende
Diskussionen liefern. Wichtig ist bei der Beantwortung der Frage, die
unbedingt beantwortet werden muß, die Differenzen auszumachen und
festzuhalten wo die Grenzen verlaufen, Differenzen auch stehen zu lassen
und darauf eine Taktik aufzubauen und nicht das Abgrenzungsbedürfnis bis
zum letzten I-Punkt auszustreiten.
Kati und Irene