19.2.2000
Manuela Kräuter
Rede der Vertreterin der Umweltbewegung
am 19. Februar 2000, Staatsoper-Bühne (3 Minuten-Vorgabe)
Wenn Regenwälder verschwinden oder Wale ausgerottet werden, geht uns das
alle etwas an und wir müssen
uns einmischen. Wenn die großen Industrienationen mit ihren Dreckschleudern
das Klima verändern, geht uns
das alle etwas an und wir müssen uns einmischen.
Auch bei Atomkraftwerken haben wir uns zu Recht jahrelang eingemischt. So
hat Österreich gegen
Atomkraftwerke in Tschechien,der Slowakei oder Slowenien gekämpft. Ständig
sind wir von den Regierungen
dieser Staaten der ungerechtfertigten Einmischung in innere Angelegenheiten
bezichtigt worden.
Atomkraftwerke sind aber keine innere Angelegenheit. Sie sind die Angelegenheit
von jedem einzelnen, der
durch eine Explosion in einem Atomkraftwerk betroffen sein könnte.
Auch Rechtspopulismus ist explosiv. Nicht nur Radioaktivität kennt keine
nationalen Grenzen, auch
Rechtspopulismus kennt keine Grenzen!
Heute mischt sich das Ausland in Österreich ein. Manche Stellungnahmen des
Auslands waren überzogen, weil
sie statt die Regierung zu treffen, die Menschen in Österreich treffen.
Dennoch ist dies nicht von Haß auf
Österreich getrieben, sondern von der tiefen Sorge, daß Rechtspopulismus
in Österreich und in weiterer Folge
in ganz Europa an die Macht kommt - wie bei einer nuklearer Kettenreaktion.
Gerechtfertigte Einmischung muß zum Prinzip erhoben werden. Daher rufe ich
alle auf, sich einzumischen!
Einmischen wenn Ausländer auf der Straße beschimpft werden, einmischen,
wenn Kinder von ihren Eltern
geschlagen werden, einmischen wenn Frauen sexuell belästigt werden. Zuschauen
und kritisieren ist zu wenig.
Einmischen wenn eine Partei, die mit Fremdenfeindlichkeit und Angriffen
auf die Menschenwürde an die
Macht gekommen ist. Einmischen ist das Fundament einer funktionierenden
Zivilgesellschaft. Ich fordere
Zivilcourage. Wer schweigt stimmt zu.
Wir alle sind heute da, um hier unsere Stimme zu erheben. Wenn wir nach
Hause gehen, dann sollten wir eines
nicht vergessen. Einmischen, wo immer uns unser Herz dazu aufruft.
Auf Widerst@nd!