2/2000
Stellungnahme KSV, veröffentlicht in der Zeitschrift "Denkanschläge"
Die "Gewaltfrage"
Politisches Bewußtsein oder Unterwerfungsritual?
Vorneweg: Es gibt tatsächlich viele gute Gründe bei den Demos auf den Einsatz
von militanten Aktionsformen zu verzichten. Für viele Leute welche oftmals
das erste mal auf eine Demonstration gehen wäre es eine fahrlässige Gefährdung
auf den Putz zu hauen. Die Bewegung würde Gefahr laufen einem hochgerüsteten
Repressionsapparat ins offene Messer zu laufen. Viele junge AktivistInnen
wären verleitet den Helden raushängen zu lassen, ohne sich im geringsten
der Konsequenzen einer etwaigen Kriminalisierung bewußt zu sein. Politisches
Gebot der Stunde ist auch nicht der praktizierte militante Heroismus einer
kleinen Gruppe, sondern der Versuch möglichst viele Leute zu Widerstand
zu mobilisieren und zu politisieren.
Disziplin oder Disziplinierung?
Problematisch ist es nur wenn die Gewaltdiskussion von einer politischen
Debatte zu einem moralischen Unterwerfungsritual mutiert. Anstatt offensiv
aufzuzeigen was für tatsächlich gewalttätige Maßnahmen von Seiten der Rechtskoalition
geplant oder bereizs passiert sind. (erstmaliger Einsatz von Wasserwerfern,
verordnete Zwangsarbeit zu einem Hungerlohn, Waffenankauf für 20 Milliarden
um das Bundesheer NATO tauglich zu machen etc.) prangern die selbsternannten
Führungskräfte der Zivilgesellschaft lieber Tomaten und Böllerwürfe an.
Anstatt verwundert zu sein, daß sich der berechtigte Zorn der Menschen in
den letzten Wochen derartig gesittet geäußert hat, werden Aufrufe zur Auslieferung
von DemonstrantInnen lanciert. Mißtrauen gegenüber den Beweggründen solcher
vermeintlicher MoralistInnen ist mehr als angebracht. Das beste Argument
für das Mißtrauen ist die Geschichte deutschen Grünen. Die gleichen WortführerInnen
welche sich mit der Parole der Gewaltlosigkeit immer in Abgrenzungsritualen
zu Kräften der radikalen Linken übten, hatten Jahre später keinerlei Skrupel,
Jugoslawien mit modernster Mordtechnologie in Grund und Boden zu Bomben.