Zur "Causa" Stermann & Grissemann


A) Die Vorgeschichte

1) Am 28. Oktober 1999 Kulturzentrum röda@ haben Stermann & Grissemann ihr Programm "Das Ende zweier Entertainer - ein Scheissabend für alle Beteiligten" präsentiert. Nach dem Auftritt sind im Rahmen eines Gesprächs mit den beiden röd@ Mitarbeitern Andreas Anzinger und Mike Glück u.a. folgende Sätze gefallen: "Ich glaube, man müßte Haider erschiessen. Irgendjemand, der nur noch 2 Monate zu leben hat." Und das unter Einfluß von zuviel Alkohol.

B) Die Reaktionen

1) In der Ausgabe des Neuen Volksblatt/Linz vom 09.02.2000 wurde ein Artikel unter dem Titel "Ich glaube, man müsste Haider erschießen..." veröffentlicht, der u.a. aus einem nicht autorisierten rödr@anner Interview zitiert.

2) Am 09.02. wurde von den Abgeordneten Ing.Peter Westenthaler, Mag. Trattner, Dr.Partik-Pablé, Dr. Ofner, Mag. Haupt und Dr. Graf an den Bundesminister für Justiz eine schriftliche Anfrage gestellt betreffend Aufforderung zum Attentat auf die Person von Dr. Jörg Haider.

3) Am 10.02.erschien im Neuen Volksblatt ein weiterer Artikel zu diesem Thema unter dem Titel: "Rausch-Plauderei mit Folgen: ORF-Aus für Comedy-Duo?"

4) Am 15.02. erschien im Neuen Volksblatt ein Artikel mit dem Titel: VP fordert Konsequenzen in der "Interview-Affäre". Am selben Tag wurde das Thema von den Oberösterreichischen Nachrichten aufgegriffen unter dem Titel:"Harter Polit-Krach um ein deftiges röd@-Interview".

5) Am 16.02., wurde ein 1-seitiger Artikel unter dem Titel "Der Staatsanwalt ermittelt schon...." veröffentlicht.

C) Stellungnahme von G & S

Daß unser Gespräch im Oktober 99 mit Redakteuren des "Rödr@nner" als ernsthaftes "Interview" gelesen wurde, bedauern wir sehr. In unserer
Profession als ständige Nonsense-Erzeuger und Schock-Komiker gaben wir direkt im Anschluß an einen Auftritt noch auf der Bühne in alkoholisiertem Zustand offenbar diese selbstverständlich nicht ernst gemeinten Aussagen von uns, wohlgemerkt als Kunstfiguren und nicht als die Privatpersonen Dirk Stermann und Christoph Grissemann. Folgerichtig haben wir und hätten wir, wenn es uns vorher zur
Kenntnis gebracht worden wäre, dieses Gespräch niemals zur ernsthaften Veröffentlichung autorisiert. Unsere künstlerische Arbeit hantiert mit
maßlosen Übertreibungen, Überspitzungen, Zynismus, Ironie und vor allem mit Tabuverletzungen, die natürlich keinesfalls ernst gemeint sind. Bei jenen Menschen, welche die von uns nicht autorisierte Veröffentlichung fälschlich als ernst verstanden haben, und/oder sich beleidigt und verletzt fühlen, entschuldigen wir uns hiermit aufrichtig.

Mit freundlichen Grüßen

Dirk Stermann Christoph Grissemann


D) Offener Brief von G & S

An alle österreichischen Medien, Kulturschaffenden- und Institutionen Nachdem Teile der Presse uns jetzt allen Ernstes als potentielle
Haider-Attentäter, die nebenbei auch noch 1 Million Menschen (FPÖ-Wähler) sofort an die Wand stellen wollen, darstellen, erklären wir noch einmal mit Nachdruck:

Das inkriminierte sogenannte "Skandal-Interview" im "Rödr@nner" war nichts anderes als ein satirisches, kabarettistisches Gespräch, das den Anti-Haider-Stammtisch persiflieren wollte. Thomas Bernhard und der "linke" Herr Karl standen hier Pate. Versuchen Sie doch einmal, diesen Text als 3 Personen Stück zu lesen... Falls sich jemand dafür interessieren sollte: wir sind KABARETTISTEN. Und keine Terroristen.

Mit freundlichen Grüßen

Dirk Stermann und Christoph Grissemann

E) Leserbrief von Josef Hader

Stermann & Grisssemann sind zwei erfolgreiche Entertainer. Politische Unkorrektheit, Übertreibung und das bewußte Verletzen von Geschmacksgrenzen gehören zu ihren stilistischen Mitteln. Aufgekratzt von der Bühne kommend, halb noch Kunstfiguren ihres Programms haben sie in einem Gespräch nach einigen Gläsern zuviel dumme, unüberlegte und in letzter Konsequenz gefährliche Sätze gesagt.

Ein Redakteur, der in seinem Artikel trotzdem über weite Strecken so tut, als hätten Stermann & Grissemann ernsthaft dazu aufgefordert, Haider zu erschießen, ist demnach entweder sehr dumm, oder er will bewußt politischen Kleingeld wechseln, und zwar für die FPÖ in einer Zeitung, die der österreichischen Volkspartei nahesteht. Aus einer traditionell christlich-sozialen Familie kommend, finde ich diese unnötige Fleißaufgabe sehr befremdlich, da ja bisher nur eine Koalition und keine Vereinigung beider Parteien besteht. Stermann & Grissemann haben sich für ihre ungeheuerlichen Sätze in aller Form entschuldigt. Jörg Haider, der dieses Problem aus eigener Erfahrung kennt, müßte dafür Verständnis haben. Das umso mehr, als er bei seinen ungeheuerlichen Aussagen dem Anschein nach immer nüchtern war.

Josef Hader
Schauspieler, Kabarettist