einen leserbrief an die kleine zeitung, den diese nur verkuerzt
wiedergegeben hat, bringen wir im vollen wortlaut. autor: peter trinkaus.


Zum Beitrag "Es dominierten eher der Lärm und das Bier" in der Ausgabe der
Kleinen Zeitung vom Samstag, 12.2.2000, möchte ich als Teilnehmer an der
dort kommentierten Demonstration vom Freitag (11.2.2000) feststellen, dass
die überwiegende Mehrheit der 2.000 Teilnehmer vollkommen nüchtern war (ca.
99% bis 99,9%). Besonders peinlich für die beiden Autoren (Johannes Kübeck
und Michael Samec) ist es, dass auf dem Foto auf Seite 7 keinerlei Anzeichen
für Alkoholexzesse festzustellen sind. Von den zirka 150 abgebildeten
DemonstrantInnen hält einer eine Getränkedose, in der aber auch Fanta
sprudeln könnte, in der Hand (welch exzessives Bacchanal). Dennoch schreiben
die beiden Autoren auf Seite 6: "Bei vielen floss der Alkohol in Strömen.
Die Nachkommenden mussten aufpassen, nicht über die weggeworfenen leeren
Bierdosen zu stolpern." und später "Die echten Heißsporne wurden durch den
Alkohol gebremst,....". Mit der letzten Aussage versucht man gezielt, den
Lesern einen Teil der DemonstrantInnen auch noch als Untermenschen zu
präsentieren, die erst nach dem reichlichen Konsum von Alkohol einigermaßen
zahm werden. Für mich stellen sich nun folgende Fragen:

1.) Warum versuchen die beiden Autoren dieses Beitrags die Leser vollkommen
falsch zu informieren?

2.) Sympathisieren sie vielleicht mit einem weit rechts der Mitte
angesiedeltem Regime, oder haben sie nur Angst, ihren Arbeitsplatz zu
verlieren (siehe Beispiel in Oberösterreich)?

3.) Gibt es bereits weisungsähnliche "Richtlinien" in dieser Zeitung, wonach
DemonstrantInnen, wenn sie sich friedlich verhalten, zumindest irgendetwas
anderes "angehängt" werden soll, auch wenn es unwahr ist?

4.) Hat die Kleine Zeitung Angst davor, AbonnentInnen zu verlieren, wenn sie
von derartigen Veranstaltungen objektiv berichtet?

Abschließend möchte ich noch erwähnen, dass es den beiden Autoren dieses
Beitrags vollkommen egal sein kann, ob sich einige der Teilnehmer der
Demonstration die Haare färben (S. 6). Ich nehme an, die Vizekanzlerin, die
Sozialministerin und die Tourismus-Staatssekretärin tun das auch.
In der Hoffnung, dass sich die Kleine Zeitung für diese propagandistische,
rechtslastige Berichterstattung bei den DemonstrantInnen und den LeserInnen
entschuldigt

Ihr Peter Trinkaus